Kurzsichtig oder weitsichtig? So erkennen Sie den Unterschied

Verschwommene Straßenschilder deuten eher auf Kurzsichtigkeit hin, Schwierigkeiten beim Lesen oder bei der Bildschirmarbeit in der Nähe eher auf Weitsichtigkeit. Diese Hinweise ersetzen keine Untersuchung, denn auch andere Ursachen können das Sehen beeinträchtigen.

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit erkennen

Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) sehen Betroffene nahe Dinge meist klarer als entfernte. Straßenschilder, Gesichter auf der anderen Straßenseite oder die Schultafel wirken dann unscharf. Häufig kneifen Betroffene die Augen zusammen, um Einzelheiten in der Ferne besser zu erkennen.

Bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) fällt oft zuerst das Sehen in der Nähe schwer. Buchstaben in einem Buch oder auf dem Smartphone können verschwimmen. Manche halten den Lesestoff weiter weg. Je nach Ausprägung kann auch das Sehen in mittlerer Entfernung beeinträchtigt sein.

Alltagssituation Eher Kurzsichtigkeit Eher Weitsichtigkeit
Straßenschilder erkennen Sie wirken unscharf. Sie sind oft gut zu erkennen.
Lesen oder Bildschirmarbeit In der Nähe meist klar. Buchstaben können verschwimmen oder anstrengend wirken.
Typische Reaktion Die Augen werden zusammengekniffen. Lesestoff wird weiter weg gehalten.

Der Unterschied liegt darin, wo das Auge das scharfe Bild entstehen lässt: Bei Kurzsichtigkeit liegt es vor der Netzhaut, bei Weitsichtigkeit dahinter. Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Augenhintergrund. Junge Menschen mit Weitsichtigkeit können den Sehfehler teilweise ausgleichen, indem sie ihre Augen stärker auf nahe Dinge einstellen. Deshalb bleibt er manchmal lange unbemerkt.

Weitsichtigkeit ist nicht dasselbe wie Alterssichtigkeit. Alterssichtigkeit entsteht, wenn die Augenlinse mit zunehmendem Alter schlechter auf nahe Entfernungen scharfstellen kann. Sie kann eine vorhandene Weitsichtigkeit verstärken.

Beschwerden verraten den Sehfehler nicht

Müde, brennende oder schmerzende Augen und Kopfschmerzen treten besonders bei längerer Naharbeit auf. Solche Beschwerden können zu Weitsichtigkeit passen, kommen aber auch bei anderen Sehproblemen vor. Kopfschmerzen allein zeigen daher nicht, ob jemand kurz- oder weitsichtig ist.

Achten Sie darauf, bei welcher Sehaufgabe die Beschwerden auftreten. Notieren Sie, ob vor allem das Lesen anstrengend ist oder ob Sie Straßenschilder und die Schultafel schlecht erkennen. Diese Beobachtungen helfen bei der Untersuchung, ergeben aber keine Diagnose.

Wann Sie Ihre Augen untersuchen lassen sollten

Lassen Sie Ihr Sehvermögen prüfen, wenn Gegenstände wiederholt oder zunehmend unscharf wirken. Das gilt besonders, wenn Lesen, Bildschirmarbeit, Autofahren oder der Schulalltag dadurch schwieriger werden. Auch häufiges Zusammenkneifen der Augen und anhaltende Beschwerden bei Sehaufgaben sind Gründe für eine Abklärung.

Lassen Sie Kinder früh untersuchen: Sie können unscharfes Sehen oft nicht gut beschreiben. Weitsichtigkeit bleibt wegen der Anpassungsfähigkeit ihrer Augen manchmal zunächst unauffällig. Achten Sie auf Probleme beim Ablesen von der Tafel, auffälliges Augenverhalten oder Schielen. Wenn Ihnen das auffällt oder Sie sich Sorgen machen, lassen Sie Ihr Kind augenärztlich untersuchen. Der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands empfiehlt außerdem bestimmte Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter; die passenden Zeitpunkte hängen auch davon ab, ob ein erhöhtes Risiko besteht.

Bei ausgeprägter Kurzsichtigkeit sollten die Augen regelmäßig augenärztlich kontrolliert werden, weil das Risiko für Veränderungen am Augenhintergrund steigt. Den passenden Abstand zwischen den Terminen legt die Augenärztin oder der Augenarzt anhand des individuellen Befunds fest.

Was bei der Untersuchung passiert

Bei einem Sehtest lesen Sie Zeichen oder Buchstaben in verschiedenen Größen. Die Brechkraft zeigt, wie stark das Auge Licht bündelt. Die Fachperson misst sie zum Beispiel mit speziellen Geräten oder einer Schattenprobe. Danach prüft die Fachperson mit verschiedenen Korrekturgläsern, welche Stärke das Sehen verbessert. Je nach Beschwerden folgen weitere Untersuchungen.

Bei Kindern können Augentropfen nötig sein, die das Scharfstellen vorübergehend hemmen. Das hilft, die Brechkraft genauer zu bestimmen, weil Kinder einen Sehfehler oft stark ausgleichen. Ein einfacher Sehtest kann Hinweise auf eine passende Sehstärke geben. Bei Kindern, anhaltenden Beschwerden oder Fragen zur Augengesundheit ist eine augenärztliche Untersuchung der richtige nächste Schritt.

Plötzliche Sehstörungen ernst nehmen

Plötzlich auftretende Sehstörungen brauchen eine rasche medizinische Abklärung. Lichtblitze, neue dunkle Flecken oder Schlieren und ein Schatten beziehungsweise Vorhang im Sichtfeld können Warnzeichen für eine Netzhautablösung sein. Warten Sie bei solchen Veränderungen nicht auf einen gewöhnlichen Sehtest, sondern wenden Sie sich schnell an eine Augenarztpraxis oder den augenärztlichen Notdienst.